„28 mm“ von Tomaso Baldessarini

28 mm von Tomaso Baldessarini

Ich habe bis vor kurzem nicht gewusst wer Tomaso Baldessarini ist. Patrick Ludolph hat ihn im Sommer 2016 zu Besuch gehabt und ihm ein 3 teiliges Interview gewidmet. Darin hat er sehr spannend von seiner Arbeitsweise erzählt. Irgendwie ist da was hängen geblieben und ich habe auch mitbekommen, dass er im Spätsommer in New York war, um Street zu fotografieren. Als er dann im Spätjahr und Anfang 2017 ankündigte, einen Bildband darüber raus zu bringen war ich schon sehr gespannt. Es ist soweit, die ersten Exemplare wurden verschickt. Und es hat sich gelohnt. Doch seht selbst…

Verarbeitung

Die Verarbeitung des Buches ist grandios. Das Format ist: Panorama 19 x 30 cm. Verwendet wurde 150 g/m² Condat matt Pèrigord Papier. Das Buch hat 352 Seiten in Farbe. Das Cover ist schwarzes Leinen mit rotem Aufdruck des Titels. Das Buch besitzt einen Buchumschlag, ist fadengebunden und hat einen schwarzen Farbanstrich der Seiten. Es ist mit 1,6 kg kein Leichtgewicht. Die Auflage ist auf 900 Exemplare limitiert. Man nimmt das Buch deshalb sehr gerne in die Hand. Die Bilder füllen die Seiten komplett aus. Auf Text wurde, bis auf die Einleitung, verzichtet.

28mm- Telefonierende Frau

Inhalt

Tomaso zeigt in seinen Bildern die Menschen von New York (in der Edition I – von Manhattan). Es sind die Menschen, die im öffentlichen Raum, in den Straßen und Plätzen der Stadt unterwegs sind. Sie sind schnell unterwegs. Alles wuselt. Ich hatte oft beim Aufschlagen des Buches den Eindruck, plötzlich das Rauschen der Riesenstadt zu hören. Das Hupen der Taxis, das Grölen der Jukebox aus Lokalen, die viel zu laut in ihr Mobiltelefon schreienden Menschen, das Klingeln der wagemutigen Radfahrer.

Telefonierender Mann

Tomaso zeigt die Menschen aus einer sehr intimen Perspektive. Die 28 mm Brennweite des verwendeten Objektives (daher der Buchname) lässt gar nichts anderes zu. Der Fotograf muss nah ran an seinen Protagonisten. Wie er das im Einzelnen gemacht hat bleibt wohl zum Teil auch sein Geheimnis. Denn oft sehen die Menschen aus, als hätten sie gar nicht registriert, dass sie fotografiert werden. Um aus den jeweiligen Situationen, die oft mit Bewegung verbunden sind, scharfe Fotos zu erhalten, hat er eine große Blendenzahl verwendet. Dies reduziert die Chance auf Unschärfen. Bewirkt aber, dass oft das Umfeld ebenfalls scharf abgebildet wird. Dadurch werden die Protagonisten immer im Zusammenhang der Umgebung betrachtet. Die Umgebung wird zum Stilelement.

Straßenszene

Was einem beim Betrachten der Bilder sehr nahe geht ist, dass man den Menschen ihre Sorgen und Nöte vom Gesicht ablesen kann. Jeder trägt sein eigenes Päckchen mit sich durch den Alltag und das sieht man. In der Hektik der Stadt ist es nicht wichtig eine Fassade vor der Welt aufzurichten, sondern seine Termine einzuhalten, die U-Bahn zu erwischen und rechtzeitig zum Termin da zu sein. Da fehlt die Kraft seine Miene zu kontrollieren. Und genau diesen Ausdruck hat Tomaso eingefangen und festgehalten. Die Bilder zeigen auf eindrückliche Weise die innere Verfassung der Menschen. Und es wird leider überdeutlich, dass das Glück nicht ständig abzulesen ist. Es gibt im Gegenteil deutlich mehr Bilder, die am Glück der Menschen zweifeln lassen. Es gibt aber auch die Ausnahmen. Die einigen wenigen Bilder, die eine gewisse Ruhe und Selbstzufriedenheit ausstrahlen, die Menschen zeigen, die in sich ruhen und Zufriedenheit ausstrahlen.

Fotografien sind immer Abbilder desjenigen, der sie anfertigt. Das trifft auf Tomaso´s Bilder definitiv zu. In einem Artikel in der Zeit mit kurzem Video wird darauf in Bezug auf andere Werke von ihm hingewiesen und lohnt zu lesen.

Das Buch ist sehr anstrengend! Es ist kein Bilderbuch. Es nimmt mit. Es berührt und es führt einem den Alltag und die Not der Menschen einer riesigen Stadt vor Augen. Die Wucht von mehr als 300 Seiten machen das Werk sehr umfangreich, so dass man versucht ist zu sagen: das hätte doch auch mit weniger Bildern gewirkt. Aber letztendlich ist die Geschichte erst dann erzählt, wenn der Autor sagt: Ende!

Fazit

Das Buch „28 mm Edition I Manhattan“ ist ein Buch voller eindrücklicher Fotografien, die eindrücklich und schonungslos den täglichen Kampf der Menschen um ihr Auskommen zeigt. Durch die Einbeziehung der Umgebung der fotografierten Personen werden Geschichten erzählt, die für jeden etwas Anderes bedeuten. Für mich ist dies ein Bildband, den man immer wieder zur Hand nehmen kann, um Neues zu entdecken und andere Bedeutungsebenen zu finden. Bestimmt keine Eintageslektüre. Vom Fotografen hätte ich mir noch eine Signatur mit z.B. Buchnummer o.ä. gewünscht, aber vielleicht ergibt es sich und ich kann sie mir persönlich abholen. Für Band 2 denkt er sicher daran. Viel Spaß beim Anschauen und Erleben.

Frauen im Regen

Telefonierende Frau

28mm Edition I Manhattan

Über Kommentare und Anregungen freue ich mich!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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