Die NIKON FM2N – analoges Schmuckstück

Vor ein paar Tagen klingelte die Postfrau unseres Vertrauens, und brachte eine NIKON FM2 aus „der Bucht“ vorbei. Ich hatte mich zuvor eine wenig schlau gemacht und erfahren, dass diese Kamera ein besonderer Meilenstein in der Geschichte der Entwicklung der Spiegelreflextechnik sei. Das Auspacken war wie immer eine spannende Geschichte. Wie war der Zustand? Würde sie noch funktionieren? Klappt die Benutzung auch ohne Betriebsanleitung?

Die analoge Spiegelreflexkamera Nikon FM2N - Front

Die analoge Spiegelreflexkamera Nikon FM2N – Front

Zustand und erste Tests

Vom Zustand her hat mich die Kamera direkt begeistert. Keine Dellen oder Kratzer. Ich habe sie erstmal gründlich gereinigt und geputzt. Die Knöpfe und Anschlüsse funktionieren tadellos und auch die Einstellungen lassen sich leicht bedienen und verändern. Ich habe von meiner guten alten NIKON F801  noch die passenden AF Objektive von Nikon und Tamron. Die konnte ich sofort anschließen. Für den Filmtransport und das Spannen des Verschlusses muss man den Sapnnhebel aus der Lockstellung klappen. Dass heißt, er ragt ca. 30 ° vom Gehäuse nach vorn. Nur in Betriebsstellung lässt sich der Verschluss spannen und auslösen. Bei verschiedenen Belichtungszeiten hört sich das Auslösegeräusch zumindest unterschiedlich an. Das Auslösen ist wie ein Gewehrschuss mit Rückschlag. Man spürt regelrecht wie der Spiegel nach oben und in die Ausgangsstellung zurückschwingt. Da ist ein ruhiges Händchen gefragt, um nix zu verwackeln. Aber diese ersten Tests sind schon mal ganz zufriedenstellend.

Beim Blick durch den Sucher offenbaren sich ein paar Details, die erklären, warum die Kamera in ihrer Zeit als fortschrittlich galt:

  1. Links im Sucher wird die eingestellte Belichtungszeit angezeigt.
  2. Oben im Sucher wird über eine Optik die eingestellte Blende gezeigt.
  3. Rechts im Sucher ist die ermittelte Belichtung durch 3 rote LEDs eingeblendet. Dabei bedeutet „0“ richtig belichtet, „+“ überbelichtet und „-„ unterbelichtet. Ist jeweils 1/5 Blende über oder unterbelichtet leuchten jeweils „0 und +“ oder „0 und -„.

Das scheint so weit zu funktionieren.

Einen Autofokus gab es damals noch nicht. Die Scharfstellung erfolgt manuell.

Die Belichtung erfolgt über eine mittenbetonte Belichtungsmessung, wobei das markierte Zentrum mit ca. 60% an der Belichtung gewertet ist, der Rest der Bildfläche mit 40%. Wie sich dies auf die Arbeit mit der Kamera auswirkt wird sich zeigen.

Beim näheren Betrachten der Kamera fiel mir die Seriennummer auf. Dort Stand: N8267200. In diversen Artikeln stand, dass dies ein Hinweis auf die Neuauflage bzw. verbesserte Auflage der FM2 sei. Die FM2 erschien 1982. Die überarbeitete Version FM2N schon 1983. Nun gut, da hatte ich wohl Pech oder Glück. Dem Verkäufer war dieser kleine Unterschied nicht geläufig. Jedenfalls kann man die FM2 von der FM2N nicht durch die Gehäusebezeichnung unterscheiden, sondern nur am N, das der Seriennummer vorangestellt ist bzw. an der rot unterlegten Blitzsynchronzeit. Diese liegt bei der N Version bei 1/250 Sekunde und bei der FM2 bei einer 1/200 Sekunde. Was jedoch beide FM2 Versionen auszeichnet. Erstens diese schnelle Blitzsynchronzeit sowie eine extrem kurze schnellste Belichtungszeit von 1/4000 Sekunde. Dies wurde durch einen völlig neuartig konstruierten Titan Lamellenverschluss ermöglicht, der seine Weiterentwicklung in der F-801  fand.

Nikon Fm2N mit 50 mm 1:14,4 AF Objektiv - Draufsicht

Nikon Fm2N mit 50 mm 1:14,4 AF Objektiv – Draufsicht

Die ersten Versuche ergaben, dass die Kamera technisch in Ordnung ist. Prima! Also kommt als nächstes Film einlegen und Fotografieren!

Film einlegen

Gesagt getan!

Zum Öffnen der Rückabdeckung muss an der Rückspulkurbel ein kleiner Hebel nach hinten bewegt und die Kurbel hochgezogen werden (links). Dann klappt die Rückenabdeckung auf. Den Film in die Nut mit der Kurbel einlegen, Kurbel wieder reindrücken. Rechts den Film in den Schlitz des Filmaufnehmers einfädeln, den Film plan legen und mit dem Spannhebel 1 – 2 mal spannen und auslösen. Dann wird die Rückwand zugedrückt. Nochmals 1 – 2 mal spannen und auslösen. Dann durch Anheben des Rädchens für die Belichtungszeit noch die ASA/ISO Zahl des Films einstellen. Jetzt schneidet der Profi noch von der Filmverpackung die quadratische Lasche ab und steckt diese in die an der Kamerarückseite vorgesehene Tasche. So sieht man immer was für ein Film eingelegt ist und ob z.B. die korrekte ASA/ISO eingestellt ist. Fertig!

Fotografieren

Das Fotografieren funktioniert manuell. Entweder es wird eine Blende vorgewählt und man passt die Belichtungszeit an oder man wählt eine Belichtungszeit und sucht die passende Blende dazu aus. Hilfsmittel welche Kombinationen aus Zeit und Blende die richtige Belichtung ergeben, ist der Belichtungsmesser. Dieser zeigt rechts im Sucher mit den 3 roten LEDs an, ob richtig über- oder unterbelichtet wird (siehe oben).

Da es auch keinen Autofokus gibt, wird das Scharfstellen durch Einstellung am Objektiv erledigt. Hilfsmittel dazu ist ein Schnittbild. Mit ein wenig Übung geht das schnell und exakt von der Hand.

Welche zusätzlichen Features gibt es? Es gibt einen Selbstauslöser, der mechanisch funktioniert. Dabei wird ein Hebel an der Kamera aufgezogen. Der Ablauf der Uhr kann zwischen 3 und 10 Sekunden durch unterschiedlich tiefes Herunterdrücken eingestellt werden. Ist die Uhr abgelaufen, löst die Kamera aus.

Der Selbstauslöser bietet noch eine Zusatzfunktion: eine Spiegelvorauslösung. Ist der Selbstauslöser gespannt, wird der Auslöser gedrückt. Dabei schwingt der Spiegel schon in Belichtungsstellung und die Zeit läuft ab. Dies lässt sich nutzen, um bei langen Belichtungszeiten das Verwackeln durch den Spiegelschlag zu minimieren. Optimal ist natürlich die gleichzeitige Verwendung eines Stativs.

Mehrfachbelichtungen sind ebenfalls möglich. Dazu wird beim Spannen der kleine Hebel vorne rechts am Spannhebel nach hinten gezogen. Dadurch wird verhindert, dass der Film weitertransportiert werden. Der Verschluss wird trotzdem aufgezogen. Natürlich muss die Belichtung hierbei vorher bestimmt werden und entsprechend der Anzahl der Aufnahmen korrigiert werden.

 

Übrigens sind alle Funktionen der Kamera mechanisch, dass heißt es wird zum Verwenden der Kamera keine Batterie benötigt. Es ist zwar eine Batterie vorhanden, diese ist aber ausschließlich für den Belichtungsmesser zuständig. Für den eigentlichen Prozess des Fotografierens ist diese nicht erforderlich.

Erste Ergebnisse:

Ich habe als ersten Film einen Schwarzweiß Ilford FP4 Plus mit ISO 125 und 24 Bildern eingelegt. Als Objektive habe ich eine 50 mm 1,4 AF und ein 28 mm 2,8 AF – D verwendet.

Hier ein paar Ergebnisse. Ich habe den Film bei Mein Film Lab entwickeln und scannen lassen. Die Ergebnisse von 3 Bildern seht ihr nachfolgend. Ich habe die Scans nochmal in Lightroom nachbearbeitet um Belichtung und Kontrast zu verbessern. Oben ist jeweils der Originalscan.Darunter das bearbeitete Bild.

Linde im Nebel - digital nachbearbeitet Ilford FP4 Plus 125 ASA

Linde im Nebel – digital nachbearbeitet Ilford FP4 Plus 125 ASA

Linde im Nebel - nicht bearbeitet- Ilford FP4 Plus 125 ASA

Linde im Nebel – nicht bearbeitet- Ilford FP4 Plus 125 ASA

Gitter mit Liebesschlössern - ohne Bearbeitung Ilford FP4 PLUS 125

Gitter mit Liebesschlössern – ohne Bearbeitung Ilford FP4 PLUS 125

Gitter mit Liebesschlössern - bearbeitet Ilford FP4 plus 125

Gitter mit Liebesschlössern – bearbeitet Ilford FP4 plus 125

Figur im Schlossgarten Limburg - unbearbeitet Ilford FP4Plus 125

Figur im Schlossgarten Limburg – unbearbeitet Ilford FP4Plus 125

Statue im Schlossgarten Limburg - digital bearbeitet Ilford FP4Plus 125

Statue im Schlossgarten Limburg – digital bearbeitet Ilford FP4Plus 125

Fazit:

Ich liebe die alten analogen Kameras. Natürlich bin ich als langjähriger Nikon-Nutzer ein wenig voreingenommen. Dennoch ist das eine Kamera, die den an der Analogfotografie interessierten Neueinsteiger begeistern dürfte. Die Kamera bietet alles was eine Spiegelreflexkamera auszeichnet. Sie ist einfach in der Handhabung, besitzt einen guten und zuverlässigen Belichtungsmesser. Sie ist bis auf die Belichtungsmesser voll mechanisch. Sie ist zu vernünftigen Preisen zu bekommen und bietet Potential als Sammlerstück in der Zukunft.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit der Kamera gemacht? Gibt es noch Anwender, die sie regelmäßig nutzen? Nutzt dafür gerne die Kommentarfunktion.

Tipp: Ein sehr interessanter und informativer Artikel über die Nikon FM/FM2N von Henning Seger findet sich in der Zeitschrift PhotoKlassik Ausgabe IV.2015.

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