Bretagne Concarneau- Teil 2

Trachtengruppe in Concarneau

Im Teil 1 meines Berichtes über unsere Reise in die Bretagne konntet Ihr lesen wie unsere ersten Tage waren. Im heutigen Beitrag berichte ich über einen wundervollen Tag in Concarneau, die Insel Berder, das Örtchen Bono und Sainte Anne d’Auray.

Concarneau Fetes des Filets Bleues

Fischer mit blauen Netzen

Eigentlich habe ich geplant, am Samstag nach Concarneau zu fahren. Doch da sich der Regen so richtig breit gemacht hat, beschlossen wir am Sonntag zum Abschlusstag des Fischerfestes nach Concarneau zu fahren. Dies findet jedes Jahr Mitte August an 4 Tagen statt. Ursprünglich ein Fest, um die in Not geratenen Sardinenfischer nach dem Ausbleiben von Sardinenschwärmen im Jahr 1905 zu unterstützen. Heute ist es zu einem festen Bestandteil der bretonischen Festivalsaison geworden und wird von den örtlichen Vereinen, Musik- und Tanzgruppen veranstaltet. Nach Parkplatzsuche und kurzem Spaziergang über die ehemalige Eisenbahnlinie ins Stadtzentrum sind wir sozusagen in den Festumzug gefallen. Auf dem Weg ist es ruhig und beschaulich. Wir biegen um eine Straßenecke und sind plötzlich von mehreren Tausend Menschen umgeben. Die ganze Hauptstraße ist von Zuschauern gesäumt. Und der Umzug zieht an den Menschen vorbei. Es gibt die unterschiedlichsten Gruppen und Vereine, die mit viel Musik und den wunderschönen Trachten der unterschiedlichen bretonischen Regionen durch die Straßen ziehen. Was für ein Spektakel! Jung und Alt sind mit dabei. Musik ist hier vor allem durch Trommeln, Dudelsäcke und die typisch bretonischen Bombarden geprägt und reißt einen förmlich mit. Die Menschen sind stolz auf ihre Geschichte und Traditionen und zeigen das auch. Neben verschiedenen Gruppen ziehen auch die Fischer mit ihren blauen Netzen, dem Markenzeichen von Concarneau, durch die Straßen. Und wie in unserer Region eine Weinkönigin gekürt wird, so wird dort eine Sardinen-Prinzessin gekürt und auf einem mit blauen Fischernetzen geschmückten Wagen durch die Straßen gefahren.

Sardinenkönigin aus Concarneua

Nachdem sich der Zug so langsam auflöst, schlendern wir über den Marktplatz und entdecken das aus den Romanen von Jean-Luc Bannalec bekannte Restaurant L’Amiral schräg gegenüber der Ville Close. Es ist ein schönes Gebäude mit charakteristisch knallroten Markisen.

Das L’Amiral in Concarneau

Weiter geht es zur Brücke der Ville Close. Das ist der mittelalterliche Stadtkern von Concarneau, der auf einer Insel im Hafen der Stadt liegt und von einer Festungsmauer und Verteidigungsanlagen umschlossen ist. Entworfen wurde die Anlage von dem sehr aktiven Baumeister Vauban, der auch in der Ortenau und Freiburg einige Bauwerke geplant und gebaut hat. Innerhalb der Mauer hat sich ein Gewirr aus Gassen erhalten mit alten Gebäuden, die jetzt vor allem Souvenirläden und Restaurants unterschiedlichster Qualität beherbergen. Das Ganze ist sehr nett anzuschauen aber natürlich sehr überlaufen. Es finden sich aber ruhige Fleckchen, wenn man danach sucht.

Concarneau war schön, wunderschön, aber das Schönste an dieser Stadt war die Stimmung – das war das Meer selbst.

Jean-Luc de Bannalec „Bretonische Verhältnisse“
Concarneau Ville Close bei Ebbe

Wir haben in dem Gewusel ein nettes Restaurant gefunden und uns an einem Tischchen niedergelassen und uns erst einmal gestärkt. Danach sind wir auf der Festungsmauer einmal um die ganze Ville Close gelaufen. Von dort hat man sehr schöne Einblicke in die Altstadt sowie auf das Treiben im Hafen. An der Brücke angekommen können wir beobachten wie sich eine Gruppe Musiker mit Dudelsäcken, Trommeln und Pfeifen warm spielt und dann geschlossen durch das Stadttor marschiert. Ein sehr spezielles Erlebnis.

Ville Close von der Stadmauer aus gesehen
Ruhiges Fleckchen in der Ville Close

Beim Verlassen der Ville Close sehen wir, dass das Wasser langsam wieder steigt und jetzt erst wird klar, dass es sich um eine Insel handelt. Wie an vielen Orten in der Bretagne wird die Landschaft sehr durch die Gezeiten verändert und geprägt. Wir schlendern auf den großen Festplatz, vorbei an einem traditionellen Ringkampfplatz, auf dem Jugendliche in altertümlicher Kleidung unter Aufsicht eines Schiedsrichters den bretonischen Ringkampf ausüben. Schräg gegenüber ist die erste Bühne aufgestellt auf der sich eine Musikgruppe, bestehend vor allem aus jugendlichen Dudelsack- und Pfeifenspielern, präsentiert. Der jüngste Spieler ist höchsten 6 Jahre alt. Jeder darf mal ein Solo spielen. Dann folgt ein riesiges Festzelt, das aufgrund des schönen Wetters nur wenig besetzt ist. Davor ist die große Festbühne aufgebaut. Links daneben sind die Versorgungszelte für die hungrigen und durstigen Besucher aufgebaut. Gut organisiert von den Vereinen der Stadt gibt es für jeden Geschmack etwas zu Essen und zu Trinken. Natürlich Crêpes in verschiedensten Variationen und vieles mehr.

Ringkämpfer
Bühne
Mann mit blauem Hut
Tanzgruppe
Concarneau Ville Close bei Flut

Auf der Bühne treten am späten Nachmittag Tanzgruppen mit Musikbegleitung auf. Sie führen traditionelle Tänze auf. Dabei werden komplette Geschichten erzählt, z.B. vom harten und gefährlichen Leben der Fischer auf See. Das Ganze sehr ausdrucksstark und mit viel Elan. Das hat uns so gefesselt, dass wir bestimmt 1 Stunde dort ausgeharrt und zugesehen haben.

Dudelsackgruppe

In den Pausen laufen wir an der Quai Mauer entlang, wo immer wieder Gruppen mit ihren prachtvollen Trachten stehen und sich unterhalten. Immer wieder sind einige bereit sich für ein Foto aufzustellen. Überall merkt man, wie stolz die Bretonen auf ihre Geschichte und ihre Traditionen sind und dies gerne zeigen.

Bretonische Trachten
2 Frauen mit Kind
Frau mit Kopfschmuck
Bretonische Tracht
Trachtenhaube

Am Golf von Morbihan

Austernbänke nahe der Ile Berder

Die Bretagne ist viel zu abwechslungsreich, um nur an einem Ort zu bleiben. Viel zu viele unterschiedliche Landschaften laden dazu ein erwandert und entdeckt zu werden. Viele Besonderheiten und magische Orte warten auf die Besucher. Für jede Interessenlage ist etwas dabei.

Ile Berder

Übergang zur Ile Berder

So haben wir uns eine Wanderung über die Insel Ile Berder herausgesucht. Es ist eine kleine Insel im Golf von Morbihan. Sie liegt unweit des Fischerhafens von Lamor Baden und ist nur bei Ebbe zu erreichen. Das heißt erstmal rausfinden, wann das Wasser soweit abgelaufen ist, dass man trockenen Fußes über einen befestigten Weg auf die Insel gelangt. Wir haben das vorher gecheckt und nach erfolgter Parkplatzfindung sind wir pünktlich mit Trockenfallen des Weges vor Ort. Die Insel ist weitestgehend von urigen Wäldern mit zum Teil riesigen und steinalten Pinien und anderen Bäumen bewachsen. Diese überragen auch den Weg entlang des Wassers, so dass man zum Teil durch Blätterwerk den Golf betrachtet. Das ist sehr beruhigend und schön. Immer wieder laden kleine Felsgruppen ein zu verweilen und den zahlreichen Segelbooten bei ihren Manövern zuzuschauen. Am südlichen Zipfel der Insel bietet sich dann auch ein besonderes Spektakel. Hier strömt das ablaufende Wasser zwischen den Inseln Ile Berder, Ile aux Moines und Gavrinis Richtung Atlantik und bildet eine reißende Strömung. Durch diese müssen die Boote hindurch und durch geschicktes Agieren vermeiden gegen die Felsen der einen oder anderen Insel zu treiben.

Waldweg auf der Ile Berder
Alter Baum auf der Ile Berder
Strömung

„Der große Atlantik – rechts- lag spiegelglatt vor ihm, genau wie das kleine Meer – links -, beide ganz friedlich, aber dazwischen kräuselte sich das Wasser heftig. Weiße Schaumkronen tanzten wild umher. Man konnte sie sehen: die Gewalt, den Druck der einströmenden Wassermassen, die Wucht der chaotischen Strömungen, bis zu zwanzig Stundenkilometer schnell. Dreihundert Millionen Kubikmeter Ozean strömen bei jedem Gezeitenwechsel ein oder aus.“

Jean-Luc Bannalec „Bretonisches Gold“

Natürlich wird das Ganze von den Felsen an der Südspitze der Ile Berder beobachtet und fachmännisch kommentiert. Weiter geht es auf dem Wanderweg Richtung Norden immer mit Blick auf idyllische Buchten und die Nachbarinsel Ile aux Moines. Auf der Insel Ile Berder gibt es ein altes Anwesen mit Turm, das immer noch bewohnt wird. Weiter im Norden steht auch eine sehr reich geschmückte alte Renaissancekirche. Leider ist sie nicht zugänglich. Dafür gibt es an der Nordspitze eine schöne Felsformation, die zum Rasten ideal ist. Von hier kann man die im Norden und Westen der Insel gelegenen Austernbänke sehen, die hier sehr ausgedehnt sind und bei Ebbe aus dem Wasser ragen. Für diese Meeresfrucht ist der Golf berühmt. Immer wieder sieht man Arbeiter an den Austernbänken, die die Säcke von Algen befreien und sie herumdrehen und natürlich auch reife Austern in ihren Säcken ernten.

Austernbänke

Nach ausgiebiger Pause legen wir den Rest des Weges zurück und bekommen noch einen Schiffsfriedhof zu sehen. Am Strand liegen Gerippe von zwei Fischerbooten. Auch der alte Motor liegt vor sich hin rottend im Watt. Als Fotomotiv ganz nett, aber nicht die richtige Art sein Arbeitsgerät zu entsorgen…

Schiffsfriedhof
Die Renaissance Kappele

Die Hängebrücke von Bono

Hängebrücke von Bono

Auf der Herfahrt haben wir bei Bono eine Hängebrücke entdeckt. Diese hat unser Interesse geweckt und so beschließen wir auf dem Weg nach Auray einen Zwischenstopp in Bono einzulegen. Das kleine Städtchen liegt an einem Seitenarm des Golfs von Morbihan und besitzt zwei Brücken. Eine neuere Brücke ist für die Landstraße da. Die ältere ist eine Hängebrücke, die von Gustave Eiffel, dem Erbauer des Eiffelturms, geplant, gebaut und am 01. Oktober 1840 eröffnet wurde. Sie ist in früheren Zeiten eine wichtige Verbindung ins Hinterland gewesen. Die Bedeutung kann man in heutiger Zeit nicht mehr erfassen, dient sie doch nur noch als Fußgängerbrücke. Sie hat eine belebte Geschichte hinter sich. Von hier hat man einen wundervollen Blick auf die Häuser von Bono, die sich an die steil abfallenden Hänge zum Golf hin schmiegen und auf den Wald jenseits der Brücke.

Hängebrücke Bono
Hängebrück von Bono
Blick zur Brücke von Bono
Der Hafen von Bono

Wir machen einen Spaziergang am Wasser entlang und kehren danach in der sehr einfachen Boulangerie „O Delices du Bono“ ein. Dort trinken wir einen Cafe au lait und essen ein selbst hergestelltes Cassis Eis. Die beiden Damen hinter der Theke sind sehr nett und zuvorkommend und sehen milde über unsere fehlenden Sprachkenntnisse hinweg.

Sainte Anne d’Auray

Kathedrale Sainte Anne d’Auray
Denkmal für Gefallene

Leider hat uns der einsetzende Regen dann dazu bewogen weiterzufahren. Wir sind ein Stück ins Landesinnere gefahren. Nördlich von Auray ist ein überregional bekannter Wallfahrtsort Sainte Anne d’Auray. Das Örtchen wird geprägt von einer großen Wallfahrtskirche, dem Mausoleum und einer eindrucksvollen Pilgerbrücke. Das Ganze ist in einem großzügigen Park angelegt. Als wir auf den Platz vor der Kirche treten machen sich dort einige Musiker mit ihren Dudelsäcken fertig. In der Kirche findet gerade ein Gedenkgottesdienst für ein verstorbenes Mitglied der Gruppe statt. Sehr bewegt werden wir Zeuge der Zeremonie. Ein Dudelsack spielt in der Kirche und der Sarg wird von der Pfeifergruppe vor der Kirche empfangen und begleitet.

Der Heilige Joachim
La Scala Sancta

Die Kirche selbst ist erst Ende des 19. Jahrhunderts erbaut worden. Der hier übliche helle Granit wird als Baumaterial verwendet. Trotzdem ist der Stil der Kirche eher in die Gotik einzuordnen. Das verwirrt ein wenig und täuscht über das tatsächliche Alter des Bauwerks hinweg. Hinter der Kirche sind noch Klosteranlagen mit Kreuzgang zu sehen. In diesen werden die Reliquien und der Schatz aufbewahrt und können besichtigt werden. Sehenswert ist der schöne Blumenschmuck entlang des Platzes und der Wiesen.

Kreuzgang

Die Entfernung vom Meer sorgt dafür, dass wir hier schon nicht mehr vom Regen erreicht werden.

Schiffsfriedhof B&W
Hafen von Bono B&W
Kreuzgang B&W

Buchtipp:

Die Wanderungen, die wir in der Bretagne gemacht haben, sind dem Rother Wanderführer Bretagne entnommen. Er enthält 50 Wanderungen, die in der ganzen Bretagne verteilt sind und wirklich schöne Strecken enthalten. Sortiert nach Regionen und in unterschiedliche Schwierigkeitsgrade eingeteilt, ist für jeden was dabei. Kleine Karten, Höhenprofile und Einkehrempfehlung sowie sonstige Tipps machen das Büchlein zu einem netten Begleiter.

Thomas Rettstatt „Bretagne“ 50 Touren Rother Wanderführer, ISBN 978-3-7633-4153-5, 14,90€,  www.rother.de

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Ein Kommentar

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