Lanzarote – Teil1

Lanzarote – Lagune von El Golfo

Die kanarischen Inseln sind ein beliebtes Ferienziel. Wir haben in diesen Herbstferien erstmals eine Woche auf Lanzarote gebucht. Hotel mit Frühstück – die anderen Mahlzeiten wollen wir individuell und nach Lust und Laune genießen. Leider ist das Image der Kanaren in der Wahrnehmung einiger Leute eher mit Begriffen wie „Pauschalreise, Partyinsel und Partymeile“ belegt. Doch weit gefehlt. Meine Eindrücke und Bilder dazu zeige ich in zwei Blogposts.

Der Flug von Basel nach Arecife dauert normalerweise 4 Stunden. Wir haben etwas länger gebraucht, da der Passat ziemlich heftigen Gegenwind verursacht hat. Am Flughafen haben wir unseren Polo getarnt als Citroen C3 geholt. Mit seiner leuchtend blauen Farbe ist er unter all den weißen Fahrzeugen auf der Insel sehr auffällig, aber immer gut zu finden. Der Weg zum Hotel war nicht weit. Costa Teguise liegt ca. 10 km nördlich vom Flughafen. Unser Hotel Neptuno Suites liegt direkt am Strand. Wir haben unser Zimmer bezogen und da es noch früh am Tag ist, beschließen wir erst mal die Umgebung zu erkunden. Die Lage am Meer ist toll. Stetig hört man den Atlantik rauschen.

Tag 2

Nachdem wir erstmal richtig ausgeschlafen haben und unsere Zeit umgestellt haben. – 1. Ist auf Lanzarote West Europäische Zeit (WET) und 2. Wird just an diesem Wochenende von Sommer auf Winterzeit umgestellt. Das hat unseren Rhythmus gleich um 2 Stunden verändert…- haben wir begonnen Lanzrote zu erkunden.

Tahiche – Fondacion Manrique

Windspiel vor der Fondacion Manrique

Doch zunächst haben wir gemütlich gefrühstückt und sind dann nach Tahiche aufgebrochen. Dort ist die Fondacion Cesar Manrique zu besichtigen. Manrique ist ein spanischer Architekt, der der Insel seinen Stempel aufgedrückt hat. Sein Ziel war, die Insel einem sanften Tourismus zuzuführen und dies drückt sich in seinem Schaffen dadurch aus, dass er versucht, die Vulkanlandschaft in seine Bauwerke bzw. Lebensräume in die Vulkanlandschaft zu integrieren. So hat er sich in Tahiche in 5 Vulkanhöhlen ein Haus gebaut, das er dann irgendwann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Es ist eine Oase der Gemütlichkeit. Und das mitten im Vulkangestein.

Auf dem Gelände der Fondacion Manrique

Die Insel ist von der vulkanischen Aktivität im 18. Und 19. Jahrhundert stark geprägt. Überall liegen Lavatrümmer oder sind Aschefelder zu sehen. Aufgrund der geringen Niederschlagsmenge (die Wolken des Passats regnen an den relativ niedrigen Bergen nicht ab – anders als auf Teneriffa oder Gran Canaria) ist die Landschaft keinerlei Erosion oder Veränderungen durch Vegetation unterworfen. Die Landschaft sieht aus, als sei die vulkanische Aktivität erst gerade beendet.

Verbindungsgang zwischen zwei „Vulkanhöhlenzimmern“
Vulkanhöhlen-Wohnzimmer

Manrique hat dies für seine Art der Architektur genutzt. Außerdem hat er die klassische Bauweise der Insulaner fortgeführt. Die Wände sind mit Kalkfarbe geweißt und es sind viele runde Formen in die zerklüftete Landschaft gebaut. Fenster sind in Richtung Süden klein und in die anderen Richtungen groß. Es gibt viele kleine an Schornsteine erinnernde Lüftungstürmchen. Das Ganze wird mit landestypischen Pflanzen begrünt und die Treppen sind ausladend und mit Holz geschmückt.

Ausblick zum Vulkan
Initialen von Cesar Manrique
Typischer Lüftungskamin
Fondacion Manrique B&W

Nazaret – Lagomar

Nach dem Besuch der Fondacion sind wir ein paar Kilometer weiter gefahren nach Nazaret. Dort ist ein weiteres Gebäude, das von Manrique gebaut worden: das Lagomar. Das Haus hat sich der Schauspieler Omar Sharif von Manrique bauen lassen. Es schmiegt sich an einen Aschefelsen eines Vulkans und ist mit allem Luxus ausgestattet. Es kontrastieren die ockerfarbene Asche, das Weiß der Gebäudeteile, das Grün der Pflanzen und das satte Blau des Himmels. Sehr beeindruckend. Omar Sharif hat das Gebäude nicht lange besessen. Am Tag des Einzugs hat er es wohl bei einem Kartenspiel gesetzt und verloren.

Distelfalter
Symbiose von Architektur und Vulkanfels
Ausblick Richtung Arecife

Teguise

Danach sind wir noch nach Teguise gefahren. Das Städtchen hat einen sehr schönen Ortskern mit Kirche und Marktplatz. Dort ist jeden Sonntag ein riesiger Markt. Als wir ankamen ist dieser schon zu Ende und die Aussteller bauen gerade ihre Stände ab. Die letzten Besucher vergnügen sich in den diversen Lokalen und in dem ein oder anderen wird noch Livemusik gespielt. Davor sammeln sich die letzten Marktbesucher und trinken noch ein Getränk.

Teguise

Nach einem Rundgang durch den Ort geht es weiter zum Castello Santa Barbara. Dies liegt auf dem Kraterrand eines Vulkans direkt oberhalb von Teguise. Viel ist dort nicht mehr los an diesem Sonntagnachmittag. Es ziehen niedrig hängende Wolken vorbei und es bläst ein ordentlicher Wind. Wir beschließen den Kraterrand einmal zu umgehen. Die Blicke in die Ebenen und zu den anderen Vulkanen sind wunderbar. Die Wolken zeichnen interessante Muster in die weitläufigen Ebenen.

Castello Santa Barbara

Auf halber Strecke frischt der Wind plötzlich massiv auf und es beginnt zu regnen. Grund genug für uns die Beine in die Hand zu nehmen. Aber auf halbem Weg zum Auto ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Der Regen hört auf, der Wind lässt nach. Aber auf dem Weg zum Auto, fällt uns auf, dass wir die letzten sind. Und uns kommt eine nette Senhorita im Auto entgegen und erklärt uns, dass wir in 5 Minuten am Tor sein müssen, um noch raus zu kommen. Also joggen wir die letzten Meter bergauf zu unserem Auto und brausen den Berg hinunter um die Dame nicht zu verärgern. Unter großem „holla“ und Adios Gerufe schaffen wir es gerade so. Wie das junge Pärchen, das noch bergauf fuhr rauskamen… Wer weiß?

Tag 3

Blick über Haria

Am nächsten Tag haben wir den Norden der Insel erkundet. Zunächst sind wir in das Städtchen Haria gefahren. Es liegt im Tal der tausend Palmen. Dort ist es schon auffällig grüner. Und es gibt tatsächlich sehr viele Dattelpalmen. Ob es tausend sind? Wir haben nicht nachgezählt. Das Städtchen hat einen sehr netten Ortskern mit wunderschönem Rathaus und sehr dekorativem Vorplatz.

Haria Rathausplatz
Haria Rathausplatz

Der Marktplatz zieht sich langgestreckt durch den Ortskern und ist von Eukalyptusbäumen beschattet. Herrlich zu beobachten sind die Senioren des Ortes, die sich hier vor den Cafés zum Café solo oder Café con Leche treffen und die Neuigkeiten des Tages austauschen und besprechen. Im Tante-Emma-Laden gegenüber gehen wir Obst und Reiseproviant einkaufen. Leider können wir kein Spanisch und der Ladenbesitzer kein Englisch. Also kommunizieren wir mit Händen und Füßen. bekommen aber, was wir möchten mit viel „Porfavor“ und „Gracias“. Er lässt uns verschiedene lanzaroterische Käsesorten probieren, bis wir die richtige finden und empfiehlt uns auch diese Mandarinen rät von anderen eher ab. Trotz Schwierigkeiten mit der Verständigung fühlen wir uns wohl. An der Kasse wartet man geduldig bis das obligatorische Informationenaustauschen zwischen Kassiererin und Kunde zu aller Zufriedenheit geklärt ist. Herrlich, wir sind im Urlaub angekommen und haben Zeit.

Haria Marktplatz

Guinate

Mirador del Guinate – Panorama

Von Haria geht es weiter Richtung Küste im Nordwesten. Wir wollen zum Mirador del Rio, machen aber vorher einen Abstecher zum Mirador del Guinate (Mirador ist übrigens der spanische Ausdruck für einen Aussichtspunkt). Guinate ist ein winziges Örtchen etwas südlich vom Mirador del Rio. Es liegt direkt am Famara Kliff. Der Ort selber ist nicht so sehenswert. Umso schöner ist aber ein direkt am Kliff gelegener kleiner Parkplatz mit einem spektakulären Ausblick. Von diesem Punkt aus hat man einen grandiosen Ausblick entlang der Westküste von Lanzarote. Im Süden sieht man im Dunst Fuerteventura. Zu beiden Seiten kann man die steil abfallenden Felsen des Famarakliffs bestaunen und im Nordosten gegenüber blickt man auf die Vulkane der kleine Nachbarinsel La Graciosa. Der Wind pfeift über den Parkplatz und die Wolken ziehen in atemberaubender Geschwindigkeit über das Kliff. Das Schöne an diesem Platz ist: er ist wenig frequentiert. Nur vereinzelt treibt es Touristen hierher.

Mirador del Guinate – La Graciosa

Mirador del Rio

Mirador del Rio

Nur wenige Kilometer weiter nördlich ist dies ganz anders. Das Mirador del Rio ist eine der bekanntesten und meistbesuchten Touristenattraktionen und wurde von wem erbaut? Richtig: Cesar Manrique hat dieses Kleinod in die Felsen des Kliff Famara bauen lassen. Es ist so perfekt in die Umgebung integriert, dass man es nicht finden würde, wären nicht die großen Parkplätze voller Autos und im Umfeld viele Menschen zu sehen. Das Gebäude ist eigentlich nicht besonders eingerichtet aber sehr schön in die Felsenlandschaft integriert. Als wesentliche Ausstattung fallen 2 überdimensionale Mobilegebilde aus Stahl an der Decke auf. Die Räumlichkeiten selbst sind wie ein Café bestuhlt. An einer Selbstbedienungstheke gibt es Imbisse und Getränke. Dafür ist der Ausblick direkt am Abgrund überwältigend. In diesen Räumlichkeiten und der Umgebung wurde übrigens die bekannte Jugendserie Timm Thaler gedreht. Wir hätten gerne noch länger verweilt, aber der Trubel hier oben ist uns doch zu viel geworden.

Blick auf La Graciosa
Auf dem Dach des Mirador del Rio
Fensterfront
La Graciosa

Cueva de los Verde

In der Vulkanhöhle

Also sind wir vom Famara Kliff herunter durch weitere Lavafelder an die Nordostseite gefahren. Dort liegt etwas nördlich von Arrieta die Cueva de los Verde. Dies ist eine natürlich entstandene Höhle, die sich über insgesamt 8 km vom Fuß des Vulkans La Corona bis zum Meer erstreckt. Es ist ein erkalteter Lavastrom in dem sich eine Höhle gebildet hat. Es ist schon faszinierend da durchzulaufen und sich vorzustellen, dass hier einmal 1400 °C heiße Lava als Strom geflossen ist. Es gibt einige Stellen an denen sich Wasser sammelt. Die unterschiedlichen Gesteine sind verschieden gefärbt. Es gibt große Hallen aber auch ganz schmale Durchlässe. Sehr faszinierend.

Höhleneingang
Cueva de los Verde

Abends – Jameos del Agua

Als es Abend wird fahren wir noch das kurze Stück bis ans Meer. Die dort befindliche 2. Höhle, die von Manrique als Restaurant ausgebaut wurde, haben wir an diesem Tag nicht mehr besucht. Unterhalb davon gibt es aber eine schöne Stelle zwischen den Lavafeldern direkt am Meer gelegen. Dort haben wir das Wolkenspektakel mit Regenbogen und die grandiose Brandung an den Felsen bewundert und so den aufregenden Tag ausklingen lassen.

Eingang zu Jameos del Agua
Brandung
Regenbogen

Tag 4

Timanfaya Nationalpark

Wir wollen unbedingt noch in den Nationalpark Timanfaya. Eigentlich haben wir ja den Leihwagen, aber irgendwie haben wir das Gefühl, dass die größte Attraktion Lanzarotes ziemlich überlaufen sein wird. Aus diesem Grund buchen wir einen Busausflug, der den Nationalpark mit abdeckt. Also geht es morgens los mit dem Bus in Richtung Südwesten der Insel. Erster Halt ist am Rande des Nationalparks. Dort kann man Dromedare reiten. Es sind über 100 Tiere, die hier Touristen ein Stück durch die Asche schaukeln. Die Art der Fortbewegung ist sehr eigenartig. Die Tiere tragen immer 2 Personen ca. 15 Minuten ein Stück bergauf und dann wieder zum Ausgangspunkt.

Feuerberge

Danach fahren wir zum Besucherzentrum des Nationalparks mitten in einer mondähnlichen Vulkanödnis. Weit und breit ist kein Strauch zu sehen nur Vulkane, Lavafelder und –ströme und Ascheflächen. Da die Platzverhältnisse hier sehr beengt sind ist an der Zufahrtsstraße ein ordentlicher Stau. Zum Teil wartet man mit dem Auto bis zu 2 Stunden, ehe man einen Parkplatz bekommt. Der Bus musste nur 15 Minuten warten. Da ist die Fahrt mit dem Bus doch abwechslungsreicher. Am Besucherzentrum gibt es dann ein paar Vorführungen. Knapp unter der Oberfläche ist an dieser Stelle das Gestein immer noch gut 400°C heiß: ausreichend, um über einem Loch in der Erde zu grillen, Büsche in Flammen aufgehen zu lassen, Wasserdampffontänen aus dem Boden schießen zu lassen und ähnliche Experimente durchzuführen.

Vulkane

Wieder im Bus fahren wir eine Straße entlang mitten durch eine öde Landschaft voller Asche – und Lavafelder. Ich fühle mich dabei sehr an Szenen aus dem Herrn der Ringe erinnert als Frodo und Samweis durch das Land Mordor von Sauron stolpern. So sieht es hier auch aus.

Vulkane und Lavalanschaften

La Geria

Nach dieser krassen Landschaft fahren wir in eine Gegend die etwas freundlicher ist: nach Geria. Das ist das Hauptweinanbaugebiet auf Lanzarote. Das man hier überhaupt Landwirtschaft betreiben kann, grenzt an ein Wunder. Und zunächst sehen wir auch nicht wo hier Wein wachsen soll. Der Wein wächst hier nicht wie in Mitteleuropa an Zäunen, sondern in Steinmauer umringten Mulden. Um an fruchtbaren Boden zu kommen, müssen die Winzer zunächst die Asche vom Boden entfernen. In die Mulde wird ein einzelner Weinstock gesetzt. Dann wird aus Lavabrocken ein Windschutz auf der Hauptwindseite halbkreisförmig gebaut. Die Weinstöcke kriechen mehr über den Boden und die Äste werden mit Holzstücken oder Steinen abgestützt, damit die Trauben nicht auf dem Boden liegen.

Bodega La Geria

Wir sind dann in der Bodega La Geria eingekehrt, die mitten in dem Weinbaugebiet liegt. Man kann einen Fingerhut voll Wein probieren und in dem Verkaufsraum Wein und Andenken kaufen.

Weinstock

El Golfo

Brandung bei El Golfo

Weiter sind wir dann nach El Golfo gefahren. Ein kleines Örtchen am Südende des Famara Massivs gelegen. Am Südende des Ortes gibt es einen Vulkankrater, der sich zum Meer hin geöffnet hat. An dessen Boden befindet sich eine Lagune. Deren Wasser ist grünlich gefärbt durch eine Algenart, die sich hier entwickelt hat. Die unterschiedlichen Farben an diesem Ort sind schon sehr speziell.

El Golfo

Los Hervideros

Lavafeld mit Vulkan

Als letzte Station an diesem Tag haben wir die Los Hervideros besucht. Auch dieser Ort ist eine Besonderheit und auf die vulkanische Aktivität zurückzuführen. Lavaströme sind hier direkt ins Meer geflossen und haben höhlenartige Strukturen gebildet. Die Brandung des Atlantik trifft mit Wucht auf die Küste. Durch die Klüfte, Höhlen und Löcher im Gestein schießt das Wasser nach oben und bildet Fontänen. Sehr toll anzuschauen. Das Ganze vor dem tiefblauen Wasser des Atlantik mit den schwarzen und braunen Vulkankegeln im Hintergrund.

Los Hervideros
Felsen im Atlantik

Fazit + Tipps:

Lanzarote ist eine spektakuläre Insel mit vielen einmaligen Plätzen. Als Reiseführer haben wir verwendet:

  • Dumont Reise-Taschenbuch „Lanzarote“
  • ISBN 978-3-7701-7329-7 (14,95 €)
  • Reise Know How „Lanzarote“ von Dieter Schulze
  • ISBN 978-3-8317-1935-8 (14,90 €)

Der Timanfaya Nationalpark (Feuerberge) ist ein Muss auf Lanzarote. Wer sich die Wartezeit am Eingang sparen möchte, bucht besser einen der Ausflüge mit dem Bus dorthin. Der Kern des Gebietes ist mit dem Auto sowieso nicht erreichbar. Alternativ gibt es einige interessante Wandertouren im Randgebiet.

Im 2. Teil berichte ich über die folgenden Tage und zeige Euch noch ein paar Eindrücke als Video. Wie findet Ihr Lanzarote als Urlaubsziel im Herbst?

2 Kommentare

  1. Hallo Andreas,

    mein Kumpel, der leider nicht mit nach Norwegen geflogen ist, war just zur fast gleichen Zeit auf Lanzarote 🙂 Ein paar Locations kamen mir ganz bekannt vor von seinem Video (Spucklöcher mit heißem Wasser inklusive).

    Ein erfolgreiches, gesundes Jahr 2019 !
    Fabian

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